Die Frage, ob der Konsum von Tierprodukten legitim ist, wird auf verschiedenen Ebenen diskutiert. Einig ist man sich in der Regel darüber, dass die Bedingungen in den Produktionsanlagen nicht akzeptabel sind. Einigermaßen hoch scheint auch noch das Verständnis für den Fleischverzicht zu sein, da dieser direkt mit dem Tod der verzehrten Lebewesen zusammenhängt. Im Bezug auf den Konsum von Produkten, die an sich nicht notwendigerweise mit dem Tod der Tiere einhergehen müssten, also vor allem Eiern und Milch, sieht man den Verzicht aber kritisch. Ein Argument, das regelmäßig gebracht wird, ist, dass die Tiere ja sowieso Eier/Milch produzieren würden und man es ihnen – natürlich unter anderen als den gegebenen Umständen – deshalb in gewissen Mengen wegnehmen könnte. Auch viele VegetarierInnen begründen den Konsum von Milch und Eiern damit.

Lässt man die Produktionsbedingungen außen vor, muss man zugeben, dass im Prinzip nichts dagegen spricht, Tierprodukte zu konsumieren, oder? Nein. Das wäre zwar angenehmer, ist aber leider falsch. Auch wenn es nicht notwendig wäre, die Tiere auf engstem Raum zu halten und zu quälen, sind bestimmte Voraussetzungen unabdingbar für die Produktion von Eiern und Milch:

Eine Kuh gibt im „natürlichen“ Normalfall – genau wie der Mensch – nur nach der Geburt eines Kalbes Milch, im Schnitt acht Liter am Tag und das für zehn Monate. Mittlerweile sind es über 20 Liter am Tag, von denen wenig bis gar nichts beim Nachwuchstier ankommt. Die hohe Milchleistung bedeutet Stress und schlägt auf den Stoffwechsel. Das Kraftfutter, das dafür notwendig ist, führt oft zu Durchfall. Aufgrund der herangezüchteten Größe des Euters erkranken die Tiere in vielen Fällen an schmerzhaften Euterentzündungen, auch Mastitis genannt. [1] (Bis zu einer Keimzahl von 100.000 pro Milliliter darf die Milch dann übrigens noch als Konsummilch verkauft werden. [2] Weil Mensch das trotzdem gerne zu sich nimmt, werden Kühe oft im Wortsinne ausgesaugt, bis sie daran elendig sterben, weil alles andere nicht rentabel wäre. Für Trinkwasser liegt der Höchstwert übrigens bei 100 Keimen pro Milliliter. [3]) Um neben der eigentlich für das Kalb benötigten Milch noch welche zum Verkauf übrig zu haben, muss der Kuh also eine enorm hohe „Milchleistung“ abverlangt werden.

Bei Hühnern ist es ähnlich. Die sogenannte „Legeleistung“ eines Huhns liegt aktuell bei durchschnittlich 300 Stück pro Jahr, wobei Hühner, die nicht zu Hochleistungen gezüchtet worden sind, nur 18 Stück pro Jahr legen [4]. Fast jeden Tag ein Ei zu legen, ist weitaus mehr als nötig und üblich und führt deshalb bei den Hennen zu schmerzhaften Entzündungen. Mit dem Eierlegen aufzuhören ist ihnen jedoch aufgrund der Überzüchtung nicht möglich, was zu Verschlimmerungen und somit weiteren Schmerzen führt.

Wirkliche Bio-Eier gibt es übrigens ebenfalls nicht:

Auch bei einer artgerechteren Haltung müssten die Tiere für die Masse an produzierten Produkten extrem leiden. Tatsächlich kann der ungesunden Nachfrage nach Milch und Eiern auch gar nicht innerhalb des Rahmens einer sogenannten „artgerechten“ Tierhaltung nachgekommen werden. 90 Kilogramm Milch [5] bzw. 200 Eier [6] pro Jahr und Mensch können nicht auf idyllischen Wiesen produziert werden, sondern nur in gigantischen Anlagen. Wer jeden Tag Tierprodukte zu sich nimmt, stimmt damit auch der Massenhaltung zu, obwohl es kaum einen Grund gibt, Milch und Eier zu konsumieren. [7]

[1] https://www.peta.de/milch-hintergrund

[2] http://bibd.uni-giessen.de/gdoc/2002/uni/p020001.pdf

[3] https://www.gesetze-im-internet.de/trinkwv_2001/anlage_3.html

[4] https://www.peta.de/das-grosse-leiden-der-hennen-fuer-eier

[5]https://milchindustrie.de/wp-content/uploads/2017/10/ProkopfDeutschland_Mopro_2010-2016x_Homepage.pdf

[6] https://www.peta.de/das-grosse-leiden-der-hennen-fuer-eier

[7] https://www.zentrum-der-gesundheit.de/milch-krankheiten-ia.html

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