Im Internet teilt ein nerviger Bekannter ständig Videos zur Massentierhaltung. Sie sei allgegenwärtig, die Tiere würden leiden und für die Umwelt sei das alles ganz katastrophal. Man scrollt weiter. Isst weiter wie gewohnt. Kann man sich dabei wohlfühlen? Wahrscheinlich nicht. Eigentlich wollen wir das alles nicht.

Wenn jemand Tierprodukte isst, gibt es verschiedene Gründe, das zu erklären. Dass er/sie es wirklich will, ist der seltenste davon.

Grund 1: Nichtwissen

Die/der Betreffende weiß (noch) nicht, was alles mit dem Konsum verbunden ist. Fleisch hat man schon immer gegessen und die Idee, dass daran irgendetwas verwerflich sein könnte, kam ihm/r noch nicht oder ist noch nicht an sie/ihn herangetragen worden. Das ist wahrscheinlich die kleinste Gruppe.

Grund 2: Gewohnheit

Man hat zwar schon von den Auswirkungen auf das Klima gehört, Bilder aus Schweineställen gesehen aber ist nicht weiter darauf eingegangen. Der Mensch lässt sich seine Ansichten so schnell nicht madig reden. Dafür können wir erst einmal nichts, denn wir sind darauf ausgelegt, möglichst effizient zu leben. Würden wir für jede einzelne Entscheidung unser Bewusstsein gebrauchen, wäre das viel zu energieaufwändig und die Evolution hätte uns recht schnell aussortiert. Wir haben Routinen, an die wir uns halten, weil wir weder Zeit, noch Energie haben, jeder Handlung eine bewusste Entscheidung vorauszusetzen.

Dass es manchmal wichtig und notwendig ist, Gewohnheiten zu ändern, ist auch nichts Neues. Nicht alles, was gewohnt ist, ist gut. Allerdings haben wir es immer schwerer, uns überhaupt denken zu hören. Ständig läuft irgendwo Musik, tatsächlich wird uns eingeredet, es gäbe Musik, die der Konzentration oder dem Lernen behilflich sei. Wir glauben, wir müssten irgendwelche Filme oder Serien kennen, lesen vielleicht noch gerne und sind vor allem durchgängig per Handy erreichbar. Neben der ganzen Musik, den Bildschirmen und den ständigen Benachrichtigungen arbeiten die Meisten noch 40 Stunden pro Woche oder quälen sich durchs Schulsystem.

Aus diesen Gründen haben wir oft keine Lust mehr, uns auch noch Listen mit Inhaltsstoffen durchzulesen oder im Geiste die Verbindung zwischen der Massentierhaltung und der farbenfrohen Wurstpackung herzustellen. Werbung und Verpackungsdesign erleichtern das Ganze ebenfalls nicht. Es braucht ein wenig Nachdenken, um zu verstehen, dass hinter den glücklichen Kindern, dem freundlichen Sprecher und der grünen Plastikhülle voller glücklicher Tiere eine grauenhafte Industrie steckt. Eine wirklich grauenhafte Industrie, keine eigentlich legitime Industrie mit ein paar schlimmen Ausnahmen. Das Grauenhafte ist die Normalität.

Aber eigentlich wissen wir es. Wer den notwendigen Schritt noch nicht gegangen ist, ist – aus welchen Gründen auch immer – willensschwach. Er/sie isst aus einer Neigung heraus, nicht weil sie/er es wirklich will.

Grund 3: Die Gesellschaft

Was man immer wieder hört, ist, dass Menschen es zwar für richtig halten, keine Tiere und Tierprodukte zu essen, dass sie aber keine Lust darauf haben, sich im Restaurant dafür zu rechtfertigen oder sich anderswo von Verwandten oder Freunden Sprüche anzuhören. Sie haben Angst vor der gesellschaftlichen Isolation, vor ständigen Fragen und dümmlichen Veganerwitzen. Bei Männern ist diese Verhaltensweise erwartungsgemäß (Fleischkonsum ist männlich, Empathie ist weiblich) stärker ausgeprägt. [1]

Die meisten Menschen berufen sich, statt selbst zu recherchieren, auf Zeitungsartikel oder die Aussagen von Politikern und Landwirtschaftsverbänden, die ihnen erzählen, es sei alles in Ordnung. Sie haben zwar schon von den Missständen in Schweineställen etc. gehört, glauben aber, dies sei eine Ausnahme und es wäre schon in Ordnung, solange man das Fleisch vom Massentierhalter aus der Region kauft. Dass aber in der Öffentlichkeit immer noch so viel pro Tierproduktekonsum argumentiert wird, liegt nicht daran, dass es dafür vernünftige Gründe gäbe. Viel mehr ist es so, dass auch Politiker und Redakteure nicht gerne zugeben, dass sie jahrelang einen Fehler begangen haben. Auch hier kann man von einer Schweigespirale sprechen. Die meisten Menschen, gerade wenn sie eine öffentliche Funktion haben oder gar von der betreffenden Industrie bezahlt werden, haben Hemmungen, der gängigen Meinung zu widersprechen, wenn es um moralische Ding geht. Richtig macht es das Ganze aber nicht.

Wir wollen das alles nicht

Wenn wir ehrlich sind, wollen wir das alles nicht. Wir wollen nicht, das Küken geschreddert, Schweinen bei Bewusstsein die Hoden abgeschnitten, Kühe gewaltsam geschwängert und alle diese Tiere auf viel zu engem, dunklen Raum in ihren eigenen Fäkalien gehalten werden. Mit sogenannten Haustieren würden wir das alles auch nicht tun. Überhaupt würden wir das alles selbst nicht tun. Abgesehen von Gewohnheiten, Fehlinformationen bezüglich Ernährung und den vermeintlich unverständigen Anderen gibt es keinen Grund, diesen grauenvollen Unsinn weiter mitzumachen.

Tut, was ihr wollt. Was ihr wirklich wollt, nicht das, was leichter ist. Hört auf, euch einzureden, das alles sei in Ordnung, denn das ist es nicht. Tut was ihr wirklich wollt, denn dann geht es vielen Wesen auf dieser Welt und nicht zuletzt eurem Gewissen und wahrscheinlich auch eurem Körper [2] bedeutend besser.

[1] https://www.plantbasednews.org/post/men-dont-order-veggie-vegan-meals-avoid-ridicule

[2] https://www.youtube.com/watch?v=yKp8-X1zZqo